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    Lebens~      Energie ~
 

Geschichten                       


 


                                      

                                           der

                             F
rau Holle    
 

"Denn Frau Holle wanderte weit, die Wetter zu stellen, die Fluren zu segnen vor Hagelschlag und Ungemach, die Tiere zu schützen und überall in den Menschenhütten die Herzen zu wiegen" Frau Holles Heimkehr zum Meißner *

 

Frau Holle ~
als Naturgestalt

ver-wandelt mit ihrer eigenen Erscheinungsform die Jahres- und Lebenszeiten. Sie verkörpert die Natur und bildet deren Zyklen von Wachsen, Werden und Vergehen in sich ab: als Großmütterchen Immergrün, Herrin der Gärten, der Tiere, als Taube, als Wetter bis hin zu den Elementen selbst, wenn sie als Regen oder Feuer daher kommt.

Frau Holle ~
als Schicksalsspinnerin

als Schicksalsspinnerin begleitet sie alles Leben von der Wiege bis zur Bahre und darüber hinaus. Denn sie bewacht nicht nur die Schwellen zwischen Leben und Tod, "hütet sie doch auch die Seelen in ihrem Born". Frau Holle kümmert sich auch um die alltäglichen Sorgen, um Heilung von Herzschmerz, Not, Armut, Krankheit und allerlei Schicksal.
 

Frau Holle ~
als Kulturschöpferin

als Kulturschöpferin hilft sie Mensch und Tier, ihre Kräfte zu entfalten. Unter magischer Mitwirkung von Frau Holle entdecken Menschen den Flachs und die Kohle, lernen spinnen und weben und werden in die Geheimnisse des Gärtnerns, des Wein-Kelterns, des Ackerbaus, der Glasbläserei und des Miteinander-Teilens eingeweiht.

Die Märchen und Mythen von Frau Holle, die in verschiedenen Regionen auch Freya, Frau Harke, Hauke, Herke, Hulda, Holde, Holla, Berchta, Percht, ... genannt wird, sind in einer altertümlichen, auch blumigen Sprache überliefert, die für mich die Besseltheit, das Begeistigtsein und somit die energetische Ebene alles Existierenden ausdrückt. Das Erzählen dieser alten symbolreichen Sprachbilder versetzt mich selbst - und auch ZuhörerInnen geht es so – in diese besselte und "begeistete" Wirklichkeit.

Frau Holle
auf Ihrem Fest,
auf Ihrer Bühne,
in Ihrem Kreis,
auf Ihrer Veranstaltung, ...
                         
                                                                                                    

 

Frau Holles mythische Geschichten lassen sich zu jeder Gelegenheit erzählen, da sie existenzielle Lebensfragen berühren und mit einer Lebensweisheit antworten, die sich an den natürlichen Entwicklungszyklen von Wachstum und Vergänglichkeit orientiert.

Mit Frau Holle durch die Jahreszeiten

Frau Holle's beseelte Pflanzen- und Tierwelt

Frau Holle's Wirken in den Raunächten

Kunst und Handwerk mit Frau Holle
Magische Garten-, Feld- und Hauswirtschaft
Heilsame Wandlungen und Schicksalhaftes

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Von der Frauschunkelblume im Spessart
"Im dunkelgrünen Spessart, den der silberne Wasserlauf des rebenbekränzten Maines umströmt, ist Frau Holle unter dem Namen Frau Schunkel bekannt. Hier kennt man sie als mächtige, aber gütige Zauberin. Im Winter wohnt sie mit ihren Kindern in Grotten und Höhlen der Hügelwälder, wo sie in ihren Schatzkammern das Silber und Gold der Erde bewacht. Dort hält sie auch ihre Zauberbücher verborgen, in denen die Erdgeheimnisse aller Naturreiche niedergeschrieben sind. ..."

Die Taube mit dem goldenen Stühlchen im Thüringer Land
"... Als nun wieder einmal das runde Jahr in die Zwölf Nächte mündete, schlich sich der Jungbauer, so wie er dies von seinem verstorbenen Vater gesehen hatte, heimlich hinaus auf den Acker und machte die Runde durch seinen Garten. Er schüttelte den Apfelbaum, er rüttelte den Birnbaum und sprach dazu den alten Spruch, den sein Ahne schon sprach: "Bäumchen. wach auf, Frau Holle kommt!"
Da vernahm er ein Rauschen im Gezweig, und ein Schauer rieselte herab, vom Wipfel bis zur Wurzel. und es wehte im Winde heran wie Flügelschlag, und Frau Holle erschien im Federkleid einer weißen Taube. Sie schwebte über die verschlossenen Knospen der Krone, kreiste dann um den ganzen alten Garten und breitete ihre singenden Schwingen weit über das wellige Ackerland. Und wo sie flog, da senkte sich Segen nieder auf das Gefilde, sank in die schlummernden Wurzeln und Knollen unter schneebedeckten Schollen, auf dass sie wieder fruchtbar würden und Keime lockten im kommenden Jahr. ..."

Großmütterchen Immergrün
"... was wuchs da nicht alles an seltsamen Stauden und Kräutern: Tollkirschen, Bilsenkraut und Fingerhut reckten sich auf in ihrer giftigen Schönheit, aber auch Weidenröschen und roter Holunder. Bescheiden daneben leuchteten aus den Erdebeerpolstern die roten Perlen. Was lebte nicht alles zwischen Wurzeln und Kräutern! ... Doch die Kinder ließen sich nicht beirren, gedachten ihrer kranken Mutter und sammelten emsig die Beeren ins Körbchen. ... Da bog sich ein Hollerbusch auseinander und mittenhindurch humpelte ein altes Mütterchen herzu. Das war ganz grün gekleidet, wie mit lauter Blättern. Sie sprach: "Mir brennt  das Herz so sehr nach Walderdbeeren, aber mein Buckel ist ganz steif, dass ich mich nicht mehr bücken kann. Laßt mich nur einmal kosten!" ..."

Erdwürmchen
..."Wenn aber die Nächte langen, so kommt der Herbst auch gegangen. Da lernte Erdwürmchen einen glatten Faden zu spinnen. Sie spann so klar wie ein Haar und wob die feinsten und zartesten Gespinste. Die nahm der Sonnenwind auf seinen Rücken und trug sie über die ganze Erde, damit sie im letzten Strahl noch einmal recht bleichen mochten. Dann sagten die erfahrenen Erdbewohner: "Nun ist Altweibersommer. Frau Holle spinnt ein glattes Garn in den Wind. So wird auch bald Winter sein." ...
Und fürder, um die Weihnachtszeit, da musste das Mädchen Frau Holles Betten aufschütteln. Und sie machte das mit so fröhlichem Fleiß, dass die Federn den ganzen Himmel entlangstoben. ... Als unsere Jungfrau nun alle Künste gelernt hatte, so waren fünf Jahre eben herum. ..."

Die blaue Blume von Tirol

"... Mit Feuer und Steinbeil rodete er ein Gehölz, mit Hacke und Spaten bestellte er dann den Acker, den Samen der Blume ins lockere Erdreich zu senken. ... Mit dem Mairegen schossen die grünen Stenglein auf, und bald wogten die Äcker in blauen Blüten. Wenn dann der Hirte bei Vollmondschein von der Pirsch kam, so sah er wohl, wie die Herrin der Berge segnend die Hände über die blauen Gefilde gebreitet hatte. Da ging die Blüte bald in Frucht. Als nun der Sommer verrinnen wollte, lehrte die Weiße Frau den Bauern die Kunst der Flachsbereitung. Sie gab ihm den Spruch:

"Gerauft, getauft,
Geröstet, geriffelt, gedörrt,
Gebrochen, geschwungen,
Gehechelt, gesponnen,
Gewoben, geblichen,
Geschneidert, getragen,
Verschlissen." ..."


 

Frau Holle am Hörselberg
"Als nun die drei Frauen gemeinsam an Spinnrocken saßen, schlug der Nachtwind die Schloßen an alle Fenster und Luken, rüttelte an den Läden, dass es einem bange werden konnte. ... Da stand in dem Holzrahmen ein Mütterchen, zerzaust und gebückt und barmte um Obdach. "Großmütterchenm frieret dich, setz dich hintern Ofen und wärme dich!" ... Über den sauber geharkten Beeten standen die schönsten Apfelbäume im Schneekleid ihrer Blüten. Die waren gestern an dieser Stelle noch nicht gewachsen. Also konnten sie nur von Frau Holles Geistern in dieser Nacht gepflanzt worden sein. ... Und zur großen Freude der Frauen hörten sie nun ein wunderbares Brausen und einen Summesang im Gezweig der schneeigen Kronen. Da spielten abertausend Bienen und Hummeln. Die tauchten ihre Honigrüssel in alle Blütenspitzen. Und die Bäume versprürten es prickelsüß bis herab zum feinsten Würzelchen im dunklen Erdreich. Und als Dank schwoll zum Herbst der Saft in die wangenroten Apfelfrüchte. Da kamen Frau Holles Zwerge und halfen dem Tagelöhner einen köstlichen Apfelwein zu keltern, dessen süße Würze alles übertraf, was sonst im Lande Thürigen geboten wurde. ... "


Frau Holles Heimkehr zum Meißner
"... Sie netzte den Fuß und stieg in das taufrische Bad das ihr immer wieder holde Jugend verlieh. Als sie neue Kraft geschöpft, tauchte sie durch das Brunnentor ganz in ihr unterirdisches Reich, wo in dem immergrünen Garten ihr Haus steht. Hier hütete sie die Kinderseelen, bis dass sie neu geboren würden zum Erdenwandel aus ihrem gesegnetetn Kinderborn, den die Leute noch heute Frau Holleteich heißen.
Wenn dann die Menschenkinder wieder ans Licht des Tages getreten sind, so tragen sie in früher Jugend noch mancherlei Erinnerungen an jenes geistige Zwischenreich mit sich herum. Uralte Sprüche, Spiele und Lieder bauen ihnen dabei goldene Brücken, auf denen sie ahnungsweise hin und wieder jenes Traumland betreten dürfen, wie in dem Kinderreim aus Großalmerode am Meißner, wo Frau Holle als "Muhme Mählen" erscheint ..."

 


Frau Holle und der Glasbläser
"... "Glasmacher, was baumelt der Strick an dem Ast"? sprach eine Stimme. Erschrocken warf sich Kunkel herum. Da trat eine hohe weiße Gestalt aus dem Baumstamm hervor. "Willst Hand an dich legen", fragte die Frau, " damit deine Kinder am Hunger sterben?" "Weil sie am Hunger sterben", stotterte er, "kein Brand, kein Glas, kein Brot - ." Aber die Elbin nestelte den Strick von dem Ast und legte die Schlinge zu Boden. "Da, sieh hinein", befahl sie. Der Mann gehorchte und blickte durch das Rund der Leine wie durch ein Fenster. "Was siehst du?" "Ich sehe", sagte der Glasmacher, "der ganze Berg unter mir ist durchsichtig wie aus gegossenem Glas. Und mein Blick reicht weit in den Abgrund, wo sich die Elemente brodelnd vermischen. ... Zwischen den Tieren und Elementen aber im Zwischenreich wimmelt es jetzt von Kobolden, die fieberhaft schaffen. Die schippen und schleppen, die punzen und putzen, ein emsiges Völkchen. ... Ich sehe, die einen schmieden edle Gesteine in funkelnde Ringe, ... Die anderen formen helle Gefäße und Becher aus zartem Glasfluß, dergelichen ich noch niemals sah, ..."
"Merk alles wohl", wies die gütige Frau, "was die da unten formen, dergleichen sollst du bald selbst blasen und bilden. Doch sage, was tut sich mehr?"
"Ich sehe in ungeheuerer Tiefe die feurigen Wurzeln von einem steinernen Baum, ..."  "Dies ist der Flöz", sprach die Frau, "verkommenes Holz von gewaltigen Wäldern, die vor undenklichen Erdentagen hier gegen dein Leid gewachsen sind. Kohle nennen es die Zwerge ..."
"Der Blick in die Todesschlinge hatte dem Künstler die Seele gelöst. Da schuf der Gläsner Kunkel ein neues Glas, ...".

 


Die ausgeblasenen Lichtlein
"... Da zog in jener Dreikönigsnacht, welche sie dieserorts auch Berchtennacht heißen, Frau Berchta vorüber. Und die Heimchen begleiteten sie auf ihrer Fahrt. ... Aber es waltete ein strenges Gebot, dass keiner an solchem Abend aus dem Hause ging, zu spähen oder zu lauschen, ... An einem von selbigen Abenden, als die Bäuerin wieder den Tisch an der Schlucht mit Sorgfalt bereitet hatte, da wurde das jüngste Mädchen des Hauses von Zweifel und Neugier gepackt. ...
Jetzt blieb Frau Berchta nachdenklich neben dem Gabentisch stehen und sagte zu einem von den Kindern: "Ich sehe zwei Lichtlein, die sind zuviel; geh hin und blase sie aus!" Das Mädchen hinter der Holztüre fühlte den kalten Anhauch auf ihren Wimpern, und der Mondschein erlosch. Es stülpte sich über sie hin wie ein schwarzer Sack. ...
...
Da sagte Frau Berchta, denn sie selbst war wiedergekommen mit ihren Heimchen: "Vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle zwei Augen gelöscht und dafür zwei innere Lichtlein angezündet. So trage denn doppeltes Gesicht, geh hin und vergiß das Beste nicht!" Und alldieweil blies sie dem Mädchen über die toten Augen, also dass das Licht ihr aufblühte mit all seinen Sternen. ... und wie dies neue Licht in die erloschenen Augen drang, so wurde die Maid des Wunders inne. Und eine gewaltige Freudigkeit überkam sie. Denn wo diese Augen nur die Haut und die Außenfläche der Körper gesehen hatten, da war es nun gleichsam, als schauten sie in die Dinge hinein, wie in Bernstein oder Bergkristall. ..."

 

 
 
 

* Sämtliche Zitate von Frau Holle Geschichten sind aus dem Buch von Karl Paetow: Volkssagen und Märchen von Frau Holle, Sponholtz-Verlag 1967